Streitschlichtung am JBG
"Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungs-bewusstsein für Natur und Umwelt. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und in der Völkerversöhnung zu erziehen."
(BayVerf., Art. 131, 1-3)
Nahezu alle der oben genannten Bildungsziele des vielzitierten Art. 131 der Bayerischen Verfassung können auf das Wahlfach Mediation angewendet werden. Wer sich zum Streitschlichter ausbilden lässt, ist bereit, seine Einstellung zu seinen Mitmenschen zu verändern und übernimmt Verantwortung für sich selbst und seine Mitschüler. Gleichzeitig wird er Konflikte im eigenen Leben nicht immer gleich eskalieren lassen, weil er weiß, dass das Gegenüber seine eigenen, ernstzunehmenden Beweggründe hat.
Soweit die Theorie.
Sind Konflikte normal?
Wer Stanley Kubricks Space Odyssey 2000 kennt, weiß, dass von Anbeginn der Menschheit jedes Zusammenleben mit der Frage beginnt, wie der Nachbar am geschicktesten ausgestochen werden kann. Tagtäglich erleben wir im Zusammenleben auf den verschiedensten Ebenen, dass wir mit den Interessen anderer kollidieren. Dann entsteht das, was wir mit dem Wort "Konflikt" beschreiben. Daher beschreibt der Begriff nicht etwas, das die - unerwünschte - Ausnahme, sondern den Normalfall darstellt.
Was ist ein Konflikt?
Fall 1: Michael fährt in einem Kaufhaus mit dem Aufzug. Eine Frau tritt mit ihren Stöckelschuhen auf seine neuen Schuhe.
Fall 2: Maria stellt Elke ein Bein. Elke fällt hin und verletzt sich. Maria sagt, sie habe nur Spaß machen wollen und es tue ihr leid.
Fall 3: Erik und Tom spielen Tischtennis auf dem Schulhof. Sie wollen Achmed und Peter nicht mitspielen lassen.
In Befragungen von Schülerinnen und Schülern sind die Voten oft sehr unterschiedlich. Und auch nach der Auseinandersetzung mit der Frage, was denn ein Konflikt sei, bleibt das in der Regel so. Das heißt, bei einem Konflikt ist immer die Perspektive des Erlebenden entscheidend.
Wie geht man am Besten mit Konflikten um?
Ein Weg besteht darin, dass man alles daran setzt, der Sieger zu sein. Das ist in der Regel nur möglich, wenn der Andere als Verlierer dasteht. Aus vielerlei Erfahrungen wissen wir jedoch, dass dieses System immer die Gefahr der Eskalation in sich birgt. Denn der Unterlegene wird vermutlich alles daran setzen den Spieß umzudrehen, um selber zum Sieger zu werden. Hiermit ist die Gewaltspirale potentiell unendlich.
Dagegen wird in der Mediation über die Streitschlichtung versucht, eine win-win-Situation herbeizuführen, in der beide Kontrahenten mit dem Gefühl den Raum verlassen, das Optimale für sich erreicht zu haben, ohne dem Anderen noch Böses zu wollen. Am Ende steht der partnerschaftliche Händedruck.
Wer hat Konflikte?
Alle, auch die Streitschlichterinnen und Streitschlichter. Und diese Erfahrung wird während der Ausbildung beispielsweise in Rollenspielen intensiv nachvollzogen. Denn - nur wer um seine eigene Fehlerhaftigkeit weiß, kann anderen wirklich helfen, ihre Streitigkeiten beizulegen.
Wer kann Streitschlichter werden?
Jeder, der in der 8. oder 9. Jahrgangsstufe ist. Derzeit haben wir an der Schule 21 ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren. Die Ausbildung läuft aber ständig weiter und dauert circa 16 Wochen mit jeweils einer Doppelstunde am Nachmittag. Interessenten sind zum jeweiligen Beginn eines Ausbildungsganges herzlich willkommen!
Michael Kleis, StR
Gute Links zum Thema:
www.konfliktbearbeitung.net